Jüngste Ereignisse um den (meiner Meinung nach sehr bedauerlichen) Rücktritt unseres “höchsten” Würdenträgers haben mich dazu angeregt, meine Sicht der aktuellen Sicherheitspolitik darzustellen. Von daher sei auch vorab gesagt, dass folgende Ausführungen meine persönliche Meinung widerspiegeln und keinerlei offiziell bestätigten Zusammenhänge beinhalten.
Die Frage, die vermutlich viele beschäftigt: Was machen wir in Afghanistan oder am Horn von Afrika?
Die größte Bedrohung für die westliche Staatengemeinschaft dürfte momentan nachvollziehbarer Weise aus Nahost kommen, wo vor allem religiöser Fanatismus das Weltbild zu prägen scheint. Inmitten dieser nahezu mittelalterlichen Sichtweise auf die Welt liegt die Atombombe in Pakistan. Afghanistan stellte unter der Führung des radikalislamischen Taliban-Regimes eine zunehmende Gefahr für das ebenfalls sehr instabile Pakistan dar. Da es sich der Westen rein sicherheitspolitisch einfach nicht leisten kann, möglicherweise ins Fadenkreuz von gut bewaffneten “Schurkenstaaten” zu gelangen, erklärten die USA nach den Anschlägen vom 11.09.2001 Afghanistan, oder besser: dem Taliban-Regime, den Krieg. Aufgrund der Anschläge riefen die USA den Bündnisfall aus und auch Deutschland, als Mitglied der Nordatlantik Charta (NATO), war somit unter Zugzwang. Ich unterstelle an dieser Stelle, dass der Invasionsplan für den Irak zu dieser Zeit ebenfalls bereits der Bundesregierung bekannt war. Somit hatte Deutschland gewissermaßen die Wahl: Afghanistan oder den Irak.
Da man Afghanistan als potenziell “ungefährlicher” betrachtete, nahm Deutschland das Mandat für die internationale Schutztruppe ISAF an.
Welche Vorteile bringt dieser Einsatz nun?
Auf den ersten Blick gar keine. Da ich mir ziemlich sicher bin, dass Deutschland das letzte Mal, als ich eine Karte betrachtete, noch vor Polen und nicht im nahen Osten endete, kann ich mit Sicherheit sagen, dass Deutschland gewiss nicht am Hindukusch verteidigt wird. Das war Futter für die Massen. Tatsächlich will man Pakistan und somit auch gewissermaßen sich selbst schützen. Die Bundeswehr geht also gewissermaßen auf Terroristenjagd. Außerdem macht es durchaus Sinn, im nahen Osten einen “Vorposten” zu wissen, um andere “Wackelkandidaten”, wie z.B. den Iran, besser beobachten zu können und ggf. schneller auf eventuelle Krisen reagieren zu können.
Hinzu kommt, dass internationales Engagement nun einmal internationale politische Handlungssicherheit mit sich bringt. Durch die deutsche Beteiligung an ISAF wird Deutschland innerhalb der NATO als Bündnispartner respektiert, sodass man Deutschland leichter aus anderen Krisen/Kriege, wie im Irak, raushalten kann.
Des weiteren sollte man nicht vergessen, dass Deutschland immerhin der drittgrößte Waffenlieferant der Welt ist. Uns voran gehen die Amerikaner, mit rund 34% Anteil am weltweiten Waffenhandel, und Russland mit etwa 23%. Deutschland hält, wenn ich mich recht erinnere, einen Anteil von 11%. Am meisten exportiert wird das Gewehr G36 von Hecklar & Koch, sowie der Leopard II und unser Wasserstoff U-Boot.
Am Horn von Afrika sichert die deutsche Marine wichtige Handelswege und verhindert somit, dass deutsche Frachter entführt werden oder sich aus Angst beschwerliche Alternativrouten aussuchen oder den Handel gar komplett unterlassen. Immerhin dürfen wir nicht vergessen, dass wir Export-Weltmeister und somit abhängig vom Handel sind.
Insgesamt kann man sagen, dass Deutschland keine einschüchternde Armee und keine Massenvernichtungswaffen besitzt, aber dennoch hält Deutschland die mächtigste Waffe von allen inne: Geld! Die BRD ist eines reichsten Länder (wenn nicht sogar das Reichste) weltweit, sozusagen die Brieftasche der Erde und diesen Status Quo sollten wir verteidigen.
Ich weiß nicht, wie weit diese “Ideen” der Wahrheit entsprechen, Sinn machen sie auf jeden Fall und sofern sie stimmen, denke ich, dass sowohl an den Aussagen Köhlers sowie an den Einsätzen an sich nichts verwerfliches dran ist. Wessen Interessen soll die Bundeswehr (= deutsche Armee) im Ausland denn sonst wahrnehmen, wenn nicht die Deutschen? Es wäre doch viel schlimmer, wenn wir im Ausland lediglich amerikanische oder französische Interessen wahrnähmen, oder? Mich stört jedoch, dass unsere werte Regierung über diese Ziele stillschweigt! Da ist doch nichts dabei! Man kann doch klar sagen, dass die Bundeswehr ganz klar deutsche Interessen im Ausland wahrnimmt und warum sie das tun! Diese Heimlichtuerei schürt lediglich das Misstrauen in die Regierung. Nur weil man mal wieder Angst hat, irgendwelche linksmotivierten Demonstranten könnten sich auf irgendwelchen Gipfeln oder sonst wo sammeln. Es ist ja nicht so, dass es nicht immer was zu meckern gäbe!
Vielleicht sollte sich auch so mancher Bundesbürger mit dem Gedanken auseinander setzen, dass die Bundeswehr kein Schützenverein und auch nicht die Wehrmacht ist. Es ist nunmal so, dass Armeen immer die Schattenseite der Demokratie darstellen und wenn sie eingesetzt werden, dann bedeutet das NIE etwas Gutes! Doch wo Licht ist, MUSS auch Schatten sein, denn das eine kann ohne das andere nicht. Aber der vorangige Auftrag einer Armee “in bewaffneten Konflikten” (oder wie man Krieg heute nennt) ist nun mal nicht Brunnen bauen, Kinder streicheln und Holz hacken helfen! Diese Gedanken kann man sich langsam aus dem Kopf schlagen, die bittere Wahrheit schlucken und Farbe bekennen. Ist man Patriot, dann aus tiefstem Herzen (und nicht nur bei Fußball-Weltmeisterschaften), oder stellt man die Regierung in Frage. Beides ist möglich und legitim, nur kritisch und sachlich sollte beides geschehen.
Danke an alle, die bis hier gelesen haben
Über eure Sicht der Dinge in Form eines Kommentars würde ich mich sehr freuen!
Tags: Afghanistan, Auslandseinsatz, Bundeswehr, Köhler





