Hallo verehrter Leser,
ich bin mal wieder zuhause und stelle voller Frustration fest, dass mein Wochenende schon wieder beinahe zuende ist. Die letzten beiden Wochen waren verhältnismäßig ruhig. Letzte Woche Donnerstag hatten wir unser Gelöbnis. Das bedeutete für uns: Zwei Stunden in der Kälte stehen, sich Reden anhören, die eigentlich niemand hören wollte, und die hochgepriesene Gelöbnisformel aufsagen.
Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.
Wie ebenfalls bekannt ist, fallen bei diesem Event militärischer Pracht auch gerne ein paar Rekruten aus den Latschen. Bilanz unserer Kompanie: 3 Kameraden umgefallen, 3 von sich aus ausgetreten. Insgesamt sind, so wurde mir erzählt (ich durfte ja nicht gucken), 10 Soldaten umgefallen. Die Ursache dürfte Dehydrierung und ein zu kleines Frühstück gewesen sein. Dennoch trotzten wir tapfer der Kälte und hielten uns wacker gegen die Langeweile, alle mit dem selben Ziel vor Augen: Dienstschluss! Denn der Vorteil war, dass wir bereits um halb Zwölf Dienstschluss hatten und den Heimweg antreten konnten, da Freitag “Quartalstag” war. Dieser Quartalstag ist eine Art Ausgleichstag für alle Soldaten, welcher dem Namen nach einmal im Quartal zu zelebrieren ist. Für mich hieß es also: Langes Wochenende!
Die Woche darauf war ähnlich angenehm gestrickt: Waffendrill, Physical Fitness Test (bin durchgefallen
), Brandbekämpfungsausbildung, HIV-Schulung und EAKK (Einsatzausbildung für Krisenkräfte). Letzteres äußerte sich so, dass wir den ganzen Tag von 0900 bis 2200 den Exerzierplatz unsicher machten. Man brachte uns bei, was man im Auslandseinsatz machen sollte und was man tunlichst vermeiden sollte, sowie S-Draht verlegen, Checkpoints aufbauen und deeskalierend mit “show your forces” patroullieren. Letzteres stellt für mich einen massiven Widerspruch da. Man soll möglichst nicht provozieren, keinen Grund zur Beunruhigung liefern, aber dennoch stets mit der Hand am Griffstück des G36 bereits sein, jederzeit das Feuer zu eröffnen. Deeskalierend ist das für mich jedenfalls nicht!
Naja, grob umrissen waren das meine letzten zwei Wochen. Kommende Woche steht Wachschießen und Sanitäterausbildung auf dem Programm und die Woche darauf Biwak (Freude!
)
Ich melde mich, wenn ich es überlebt habe!





